John Zube

Panarchie
Beschrieben durch das einfache System des Aphthonius

(2005)

 


 

Notiz

Aphthonius von Antiochia, griechischer Sophist und Rhetoriker, hatte seine Blütezeit in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts vor Christus, vielleicht sogar später.

Der wesentliche Teil des Aphthonius Systems umfasst sieben einfache Fragen, die jeder ernsthafte Verfechter von Reformen als minimale Voraussetzung beantworten sollte. Die Fragen können und sollten ergänzt und unterteilt werden, um dem Thema gerecht zu werden.

 


 

Bitte, entwerft, publiziert und probiert eure eigenen Utopien, Allheilmittel, idealen Gesellschaften und Experimente unter Euch aus, aber stellt sicher, dass sie keinerlei Zwang für Dissidenten bilden und dass sie rationale Antworten auf mindestens diese sieben Fragen liefern. In diesem Versuch habe ich die Reihenfolge dieser Fragen verändert.

Wählt Eure eigene Reihenfolge - lasst keine Frage aus, im Gegenteil, fügt andere hinzu.

 

1. WAS?

Panarchie ( oder nicht territoriale Mehrfachregierungen oder Polyarchie oder Personarchie) als allgemeiner Rahmen für die verschiedenen Grade von Freiheit und/oder Einschränkung, die Menschen für sich selber in ihren eigenen Vereinigungen oder freiwilligen Gemeinschaften wollen, ganz unabhängig von denen anderer.

Alle zur Zeit obligatorischen Mitgliedschaften (z.B. in Staaten, Streitkräften und Gewerkschaften) müssen freiwillig werden.

Territoriale und kollektivistische Monopolansprüche (für grosse Gebiete, bewohnt von vielen Menschen verschiedener Ansichten) werden nicht mehr länger anerkannt und unterstützt. Auf dieser Weise werden territoriale Grenzen verschwinden durch friedliche „Ein Mann Revolutionen“.

 

2. WER?

Alle Personen, die sich freiwillig bereit erklären bei der Realisierung oder Erhaltung des einen oder anderen Ideals, einer Erneuerung, einem Experiment, Tradition oder Brauch mitzumachen, zusammen mit Gleichgesinnten, überall und immer, und nur auf eigenes Risiko und Kosten, ohne die individuellen Rechte und Freiheiten von irgendjemand zu verletzen.

Kurz: Freie Individuen, ohne „königliche Satzung“ und monopolistische Territorialansprüche, die sich ihrer gleichen Rechte und Freiheiten bewusst sind und welche die der Anderen respektieren.

Hauptsächlich Minoritäten mit anderen Ansichten die nach Autonomie streben.

Alle existierenden oder noch zu bildenden Exilregierungen, die keine Monopolherrschaft über die ganze Bevölkerung irgendeines Gebiets anstrebt.

Alle Revolutionäre und Freiheitskämpfer mit dem einzigen Ziel der Entfaltung der Freiheit, um die grösstmögliche Anzahl von Unterstützern oder Menschen, die ihnen neutral gegenüber stehen, zu gewinnen.

Auf diese Weise sehen sich nicht einmal die Gegner der Freiheit zu verzweifeltem Widerstand veranlasst. Sie können versuchen, ihre eigenen mehr oder weniger autoritären Panarchien zu geniessen, solange sie sie direkt und persönlich akzeptieren.

Die Föderationen aller autonomen Gemeinschaften, die frei und friedlich koexistieren und untereinander um Mitglieder in Konkurrenz stehen, genau wie viele Religionsgemeinschaften oder Versicherungsgesellschaften, obwohl sie sich gegenseitig nicht leiden können.

 

3. WODURCH?

Individuelle Souveränität, individuelle Sezession, Individualismus, Freiwilligkeit, Selbsthilfe, Vereinigungswesen, nicht territoriale Autonomie und eigene Gesetze für freiwillige Gemeinschaften.

Diese neuen Organisationen sollen volle Experimentierfreiheit, Aktionsfreiheit und volle Autonomie für alle verwirklichen, immer und nur auf ihr eigenes Risiko und eigene Kosten.

Verbrauchersouveränität soll vorherrschen in allen Gebieten, wo sie bis jetzt von Politikern oder Bürokraten blockiert oder behindert wurde.

Individuen sollen die Freiheit haben, selbst zu wählen zwischen verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systemen mit verschiedenen Mitgliederverträgen, Verfassungen, eigenen Gesetzen, Gebühren und/oder Abonnements und die Freiheit an ihnen festzuhalten.

 

4. WIE?

Indem sie ihre persönliche Unabhängigkeit wiedergewinnen durch Rückzug oder Abspaltung von bestehenden Territorialstaaten, Befreiung von aufgezwungenen Abgaben, Institutionen, Gesetzen und Rechtssprechung und darüberhinaus ihren Anteil einfordern am verbleibenden Vermögen des Territorialstaates von dem sie sich zurückziehen.

Hingegen müssen sich diese Personen bereit erklären, ihren Kostenanteil an den Institutionen des Territorialstaates, die sie weiterhin benutzen oder gemeinschaftlich benutzen wollen, zu bezahlen. Details müssen friedlich ausgehandelt werden oder durch ein Schiedsgericht beigelegt werden.

Diejenigen, die sich von den existierenden Territorialstaaten zurückgezogen haben, sind frei sich irgendeinem Beitrags-, Budget-, Wahl- und Administrationssystem anzuschliessen, das sie für sich wünschen.

Durch die Errichtung von alternativen, freiwilligen, nicht territorialen und parallelen Institutionen, Regierungen, nichtstaatlichen Gesellschaften oder experimentellen Systemen mit ihren eigenen Verfassungen, eigenen Gesetzen, eigener Rechtssprechung, Polizei- und anderen Dienstleistungen, die in freier Konkurrenz mit den territorialen stehen und frei von den Lasten und Vorschriften ihrer territorialen Kontrahenten sind.

Z.B. Freiheit für alternative Institutionen und Verfahren in Bezug auf Bildung, Polizei, Gerichte, Gefängnisse, Nationalparks, Bibliotheken, Banken, Währungen, Finanzsysteme und so weiter.

Sollen die guten und konkurrenzfähigen Institute mittels individueller Konsumenten- oder Unternehmer Präferenzen friedlich die minderwertigeren verdrängen, die immer noch ganzen Bevölkerungen aufgezwungen werden.

Die Personen, die sich dafür entschieden haben, Mitglieder der früheren Territorialstaaten zu bleiben, können alle Gesetze und Institutionen, die sie wollen, behalten, aber sie können sie anderen nicht mehr aufzwingen.

 

5. WARUM?

Weil territoriale Institutionen mit ihren Monopolen, Grösse, machtsüchtigem Bürokratismus, herkömmlichen territorialen Politik zu andauernder Zwietracht zwischen sich streitenden Parteien geführt hat. Zwietracht und Korruption zählen zu den kleineren Übeln, während Kriege zwischen Nationen, blutige Revolutionen und offizieller oder Bandenterrorismus zu den grossen Übeln zählen.

Mit staatlichen Kandidaten, die heute im grossen Stil mit ABC Massenvernichtungswaffen oder anderen wirksamen Werkzeugen zum Töten oder zur Vernichtung ausgerüstet sind, ist der Preis für Territorialismus in Bezug auf Freiheit, Rechte, Sicherheit, Blut und Geldtribut oder sogar das Überleben der Menschheit, viel zu hoch, um ihn noch länger zu tolerieren.

Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit, Fortschritt und Aufklärung kann nur nicht territorial und freiwillig beschleunigt und gesichert werden, durch Handlungsfreiheit für alle, um ihren eigenen Weg zu ihrem Ideal zu gehen, auf eigene Kosten und Risiko und zu ihrem eigenen Nutzen.

Motive und Gelegenheiten für Aggressionen und Verbrechen würden reduziert.

Sogar die Ziele für Massenvernichtungswaffen würden sich auflösen.

 

6. WANN?

Wann immer die Zeit reif ist für bedeutende Abspaltung- und Selbsthilfeschritte, z.B. während galoppierender Inflation, indem man neue, stabile und sich konkurrenzierende Währungen einführt; während Zeiten von Massenarbeitslosigkeit, indem man Vollbeschäftigung durch alternative Einführung verlässlicher Zahlungsmittel und Verrechnungswege erreicht, sowie alternativer und gesunder Wertmasstäbe, vorbehaltlich von Ablehnung oder Diskontierung von ihren möglichen Akzeptanten.

Wenn ein Territorialstaat einen weiteren ungerechtfertigten Krieg anfangen will.

Wenn Regierungen die Rechte und Freiheiten ihrer Bürger nicht genügend respektieren.

Wenn alle kleineren Selbsthilfe Optionen ungenügend sind oder blockiert werden.

Wenn militärische Aufstände und blutige Revolutionen verhindert werden müssen.

Wenn keine ausreichende Meinungs- und Informationsfreiheit mehr herrscht.

Wenn Immigration und Emigration allgemein verhindert wird.

 

7. WO?

In allen Ländern und Erdteilen in denen Minderheiten und Mehrheiten unzufrieden sind, unterdrückt oder ausgebeutet werden.

Das heisst praktisch überall.

 


 

PRÄZEDENZFÄLLE - BEWEISE - BEISPIELE

Religiöse Freiheit.

Freiwillige Geschäftspartnerschaften.

Meinungsverschiedenheit, Scheidung und freiwillige Trennung innerhalb von Familien und Freundeskreisen.

Eigene Gesetze, Schiedsgerichte, Freiheit des Beitritts und Austritts in verschiedenen Klubs und Organisationen; Wettbewerb zwischen verschiedenen Sportarten und Sportklubs, gemeinnützigen und wissenschaftlichen Vereinigungen und Universitäten. Konsumentensouveränität.

Freie Wahl der Ärzte, Mediziner, Arbeit, Hobbies, Handwerk, Verträge, Touristenattraktionen, Bekleidung, Wohnstätte, Optionen für Gartenarbeit, Unterhaltung, künstlerische Beteiligung.

All die vielen täglichen Entscheidungen von Personen in dem Ausmass, dass sie ihnen nicht durch Regierungsgesetze, Verordnungen und Institutionen vorweggenommen werden.

 


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